Wieso das alles?

Wieso das alles?

 

Weil wir uns jemanden wie uns gewünscht hätten, als wir allein auf weiter Flur waren… es gab nur noch den einen Weg für Erwin: “Sie müssen ihn auf Rohfutter umstellen!“ Endlich wussten wir was Erwin fehlte.

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Aber wir sollten am Anfang beginnen. Erwin kam mit ca. 6 Monaten als griechisches Findelkind zu uns. Abgemagert, schwach und krank -  aber auch unendlich dankbar! Mit dem Fressen tat er sich schwer, dies schmeckte ihm nicht und das war ihm auch nicht gut genug. Was es gab? Trockenfutter, was sonst! Ab und an mal eine Dose…so wie wir es bisher immer mit unseren Hunden gemacht hatten… und denen ging es immer gut.

Erwin wirkte auf uns immer als ein eher ruhiger Hund (man könnte rückblickend auch eher schlapp sagen…). Er war oft krank. Wir ließen ihn auf Leishmaniose, Anaplasmose, Borreliose etc. untersuchen. Alles negativ. Mit Prednisolon ging es ihm besser und sein Appetit wurde auch besser. Aber allzu lange sollte er die Medikamente auch nicht bekommen. Wir fanden „unser“ Trockenfutter, Erwin aß einigermaßen gut. Eines Tages ging es ihm nicht gut. Wir wussten nicht was mit ihm los war, aber er war nicht mehr der alte. Spazieren gehen funktionierte nur noch mit ganz viel überreden und auch dann nur sehr kleine Runden.Und selbst das  auch nur wenn sein bester Kumpel mit kam. Er wollte sich kaum noch bewegen. Es kam uns vor als ob eine Grippe kurz vor dem Ausbrechen war… aber sie kam nicht!!IMG_4425.jpg

Ein neuer Tierarzt gab uns Schmerzmittel für ihn mit. Damit ging es besser, aber was los war wussten wir immer noch nicht. Ein Röntgenbild zeigte, dass seine Hüfte eine leichte HD aufwies. Nach weiterer Diagnostik war klar, seine Nieren waren schon bis zu 25% geschädigt!! Absolute Nierendiät!!!! Wenig Proteine, Medikamente. Wenn möglich das hochwertige Futter des Tierarztes, Erwin fing an das Futter zu verweigern. Viel war an ihm eh nicht dran…gebracht hat es auch nichts. Eine andere Lösung musste her, wir begannen uns über Nierendiäten zu informieren und stellten uns selber eine Futtermischung zusammen, Trockenfutter unterschiedlicher Hersteller. Erwin aß wieder. Es ging ihm etwas besser. Aber ein glücklicher Hund war er irgendwie nicht wirklich.

P1080794.JPGLange hatten wir keine Ruhe, es ging ihm wieder schlechter. Wir wechselten den Tierarzt, neue Diagnostik. Die Leberwerte waren schlecht. Leberdiät. Die hielten wir auch nicht sehr lange durch, denn es gab wieder spezielles Futter vom Tierarzt. Irgendwie ging es ihm aber dennoch wieder etwas besser.

Es kam der Winter. Erwin liebt den Winter!!! Die Lebensgeister kehrten zurück. Wir machten schöne Spaziergänge durch den hohen Schnee. Plötzlich humpelte der Hund. Er wollte gar nicht mehr weiter gehen. „Oh, der hat bestimmt wieder Eis zwischen den Pfoten.“, dachte ich. Das hatte er immer mal bei so viel Schnee, trotz des Einfettens zwischen den Ballen. Ich guckte, konnte aber nichts finden. Naja, dann hat er sich vielleicht vertreten oder sich am Eis geschnitten oder sich was eingetreten. sehen konnte man nichts.

Als es nicht besser wurde gingen wir zum Tierarzt. Einem neuen Tierarzt. „Ja, der hat sich wohl was eingetreten.“ Zugsalbe, dicker Verband, in 2 Tagen wieder kommen. Nach 2 Tagen gab es keine Veränderung. Neuer Verband, 2 Tage warten. Nichts. Nur eine ganz kleine wunde Stelle. Abwarten! Vielleicht kommt da ja ein Dorn o.ä. raus. Wir ließen die Pfote unverbunden. Einen Tag später, Heilig Abend, eiterte die Stelle stark und war auch viel größer!! Ab zum Tierarzt. Es hatte sich ein AbszesIMG_4326.jpgs gebildet. Die Pfote wurde gespült. Falls ein Fremdkörper vorhanden war, sollte er nun raus sein. Jetzt musste die Pfote nur noch heilen. Es gab Antibiotika. Da begann das nächste Pfötchen sich zu entzünden!! Eine Blutuntersuchung half nicht weiter. Das dritte Pfötchen zeigte mittlerweile auch schon rote, wunde Stellen. Der Tierarzt nahm nun Hautstanzungen aus den Hundepfötchen, dafür musste Erwin in Narkose. Es wurde erneut Blut genommen. Anschließend gab es Cortison. Endlich wurde alles besser. Aber leider half die Hautuntersuchung auch nicht weiter.

Dann endlich kam ein Anruf. Mit dem Blut wurde ein Allergietest gemacht. Erwin ist gegen Milben allergisch, genauer gegen ihren Kot. Die Hausstaubmilden kennen die meisten von uns, es gibt aber auch noch die Futtermilben, die hauptsächlich im Trockenfutter wohnen…“Sie müssen ihn auf Rohfutter umstellen!“ …

Der Tierarzt konnte mir aber kaum Informationen zur Rohfütterung geben. Ein, zwei Rezepte, die aber viel zu viel Kartoffeln enthielten…und wir könnten ja auch im Internet mal gucken, da gibt es viele Informationen. Tja, da waren wir nun. Endlich wussten wir was unserem Erwin fehlt. Nun mussten wir ihn also einfach nur mit rohem Fleisch füttern!

Es dauerte etwa  14 Tage und wir hatten einen neuen Hund! Erwin war fröhlich, seine Augen leuchteten wieder, sein „Lachen“ war zurück!! IMG_4391.jpg

Hätten wir das bloß früher gemacht! Dennoch bekam er weiterhin Cortison, täglich. Einige Versuche es abzusetzen schlugen fehl. Er wollte dann nicht mehr fressen, machte einen schlappen Eindruck. Aber dass Cortison auch Nebenwirkungen hat, wissen alle. Seine Haut wurde dünn und er war aufgeschwemmt, sein Fell sehr dünn und wurde weniger. Wir begannen ganz langsam die Dosierung des Cortison zu reduzieren. Zur Unterstützung bekam er Colostrum. Es ging ihm gut mit weniger Cortison. Durch das Colostrum wurde er schuppig (Verschlimmerungsreaktion vor der Besserung). Gute 2-3 Wochen konnte man den Hund kaum ansehen. Sein Fell war stumpf, die Haut schuppig. Aber es ging ihm gut.

Plötzlich begann neues Fell zu wachsen. Fest, dick und viel! Es sah auch aus,  als ob wir ihn geschoren hätten…Er hatte noch nie so dichtes Fell. Erwin sah so gut aus wie schon ewig nicht mehr! Er liebt lange Spaziergänge. Läuft am Fahrrad. Geht mit uns joggen. Tobt mit seinen Kumpels. Ist rundum glücklich und zufrieden! Sogar Knochen kaut er mit Vergnügen, früher hätte er die nicht mal angeguckt! Seine Blutwerte sind super, auch die Nieren und Leberwerte! Seine Zähne sind strahlend weiß. Er hat keinen Mundgeruch mehr, riecht insgesamt weniger. Er ist kaum noch Krank. Seine Verdauung ist super.


Das wollen wir keinem vorenthalten! Jeder sollte ein gesundes, glückliches und zufriedenes Tier haben!



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